Professuren am Institut

Zur Geschichte des Instituts

Nachdem in der 1953 neu gegründeten Fachrichtung Schiffselektrotechnik zunächst nur Institute für Maschinen und Antriebe existierten, baute ab 1956 Prof. Dr.-Ing. Franz Heinrich Lange (Catalogus Professorum Rostochiensium) das Institut für Fernmeldewesen und Hochfrequenztechnik auf, das schon ein Jahr später in Institut für Hochfrequenztechnik und Messelektronik umbenannt wurde. Die dritte Hochschulreform führte mit der Aufgabe der Fakultätsstruktur zur Gründung der Sektion Technische Elektronik als selbstständige Einheit an der Universität Rostock (8. November 1967), und nach der Auflösung der Institute entstanden bis 1970 als deren fachliche Nachfolger fünf Wissenschaftsbereiche, von denen der Wissenschaftsbereich Elektronische Schaltungstechnik unter Doz. Dr. Heinrich Albrecht (Catalogus Professorum Rostochiensium) als direkter Vorgänger des jetzigen Institutes MD angesehen werden kann. Doz. Dr. Albrecht leitete diesen Wissenschaftsbereich bis 1981.

Mit einer Namensänderung des Wissenschaftsbereiches in Schaltungstechnik/Mikroprozessortechnik wechselte die Leitung von 1981 bis 1984 auf Doz. Dr. sc. techn. Otto Pulow (Catalogus Professorum Rostochiensium). In dieser Zeit wurden neue Inhalte in die Vorlesungen aufgenommen, die sich u.a. mit Speicherprogrammierbaren Steuerungen, Mikrorechner-Strukturen, Echtzeitbetriebssystemen und Assemblerprogrammierung befassten. Außerdem wurde zwecks schnelleren Transfers von Forschungsergebnissen in die Praxis ein postgraduales Studium Mikroprozessortechnik eingerichtet. Herausragende Verdienste um frühzeitige und richtungsweisende Forschungsprojekte zur Mikroprozessortechnik haben sich hier vor allem auch Dr.-Ing. Adolf Gienapp, Dr.-Ing. Norbert Wengel und Prof. Dr.-Ing. habil. Günter Jorke erworben. Prof. Jorke wurde später Rektor der Fachhochschule Stralsund. Prof. Jorke und Dr. Wengel veröffentlichten gemeinsam mit Prof. Lampe das Buch Arithmetische Algorithmen der Mikrorechentechnik. Ab 1984 wurde der Wissenschaftsbereich von Prof. Dr.sc. techn. Bernd-Georg Münzer (Catalogus Professorum Rostochiensium) geleitet und später in Computertechnik umbenannt.

Auf Basis der damals verfügbaren Prozessoren wurde eine ganze Reihe von Mikrorechnern entwickelt und zusammen gebaut, bis hin zu Einplatinenrechnern. Auch die dafür jeweils nötige Grundsoftware wurde - zum großen Teil in Maschinencode - selbst entwickelt. Ebenso mussten Peripheriegeräte zur Bedienung z.B. in Form einfachster Tastaturen selbst entwickelt, aufgebaut und Externspeicher (Lochband, Magnetkassette, später Diskette) angeschlossen werden.

Sehr viele Lösungen waren damals speziell auf die jeweils vorliegende Hardware zugeschnitten und kaum portabel. Das Aufkommen erster BIOS-orientierter Betriebssysteme war eine kleine Sensation. Noch später gab es dann erste Unix-Verschnitte für 16-bit-Mikrorechner. In den Vorjahren war alle Rechentechnik auch die so genannten Minirechner wie PDP11, D4a oder KRS 4201 immer an große und fest installierte Apparaturen gebunden gewesen.

Deshalb waren alle ingenieurtechnisch orientierten Bereiche von den absehbaren neuen Möglichkeiten der Mikrorechentechnik stark fasziniert und konkurrierten oft in unmittelbarer Nachbarschaft um die besten Lösungen. So wurde in den 80-er Jahren in einem Kraftakt eine breite technische und personelle Basis für den Einsatz der Mikrorechentechnik geschaffen. Viele in der Praxis tätige Ingenieure profitieren noch heute davon, dass sie zu dieser Aufbruchszeit aktiv dabei waren.

Mit der Wendezeit wurde Prof. Dr.-Ing. Heinrich Albrecht 1990 der erste gewählte Fachbereichssprecher.

Der Wissenschaftsbereich Computertechnik unter Prof. Georg Münzer wurde zunächst in Institut für Computertechnik umbenannt, wobei auch die Empfehlung des Wissenschaftsrates zur Einführung einer Studienrichtung Technische Informatik zu berücksichtigen war.

Für den gewachsenen Fachbereich wurden die Räumlichkeiten in der Südstadt zu eng, so dass als kurzzeitig gedachter Kompromiss einige Institute nach Warnemünde auf das Gelände der Seefahrtsschule umzogen, darunter auch das Institut für Computertechnik. In der Ingenieurhochschule für Seefahrt hatte bis dahin der Wissenschaftsbereich Informationsverarbeitung unter der Leitung von Dr. Lübcke die gesamte Informatikausbildung in der Hochschule durchgeführt und auf den Gebieten Informationsverarbeitung und Informationselektronik geforscht.

Erste Vereinigungsgespräche der Wissenschaftsbereiche von Prof. Münzer und von Dr. Lübcke bereiteten die Gründung des neuen Institutes für Technische Informatik vor.

Im Herbst 1991 verstarb Prof. Münzer und Dr. Lübcke folgte einem Ruf an die Universität Bremen. So wurde das 1992 gegründete Institut vorübergehend kommissarisch von Prof. Dr. rer. nat. habil Bernhard Lampe (Catalogus Professorum Rostochiensium) vertreten, der gleichzeitig Leiter des Institutes Automatisierungstechnik und Sprecher des Fachbereiches war, während Dr. Rüdiger Rennert die Gründungsgeschäfte für das neu gebildete Institut führte. In dieser Zeit wurden Lehrpläne, Forschungskonzeptionen und personelle Strukturen neu geschaffen. Daneben musste der Lehrbetrieb aufrechterhalten werden, was mit den noch unbesetzten bzw. vertretungsweise besetzten Lehrstühlen durch die verbliebenen Mitarbeiter mit beispielhaftem Engagement bewerkstelligt wurde.

Zum Oktober 1994 wurde Prof. Dr. Dirk Timmermann auf den Lehrstuhl Rechner in Technischen Systemen berufen und übernahm die Leitung des Institutes, die er noch heute innehat.

1995 erhielt das Institut den heutigen Namen: Institut für Angewandte Mikroelektronik und Datentechnik (MD). Zu dieser Zeit begann als für den Fachbereich neue Entwicklung eine verstärkte Orientierung des Institutes auf Architektur und Entwicklung digitaler integrierter Schaltungen. Von den Mitarbeitern des Institutes wurde seit dieser Zeit ein hohes Potential an Wissen und Fertigkeiten auf dem Gebiet der Entwicklung und Umsetzung digitaler Schaltkreisarchitekturen kontinuierlich aufgebaut und in Lehre und Forschung eingebracht. Beschleunigt wurde dieser Prozess auch durch die etwa gleichzeitig einsetzende rasante Weiterentwicklung programmierbarer Logikschaltkreise, die durch ihre kurzen Entwicklungszyklen eine schnelle Umsetzung und Evaluierung neuer Ideen und Methoden unterstützen und so eine ideale Plattform sowohl für die studentische Ausbildung als auch für Forschungs- und Industrieprojekte bilden. Konsequent wurde daher die hard- und softwaremäßige Ausstattung des Institutes mit entsprechenden Entwicklungswerkzeugen vorangetrieben, so dass heute zum Bestand des Institutes neben umfangreicher Entwicklungs- und Simulations-Software für integrierte Schaltungen und Systeme auch professionelle Emulationssysteme (z. B. Quickturn oder Aptix) und FPGA-basierte Entwicklung-Boards gehören.

Der Lehrstuhl Prozessrechentechnik wurde 1998 mit Prof. Pfüller besetzt, und der Lehrstuhl Technische System- und Anwendersoftware 2002 mit Prof. Dr. Ralf Salomon. Ab September 2000 war Prof. Timmermann für zwei Jahre Fachbereichssprecher.

Neben zahlreichen Drittmittelprojekten mit Förderung durch DFG, BMBF und EU bearbeitet das Institut auch Projekte gemeinsam mit regionalen Kooperationspartnern wie z. B. Siemens Greifswald und Unternehmen aus dem Technologiezentrum Warnemünde. Dadurch konnte der Personalbestand durch eingeworbene Drittmittel mehr als verdoppelt werden und umfasst derzeit 25 Stellen, davon 21 Wissenschaftler. Arbeitsergebnisse des Institutes wurden bereits mehrfach auf der CeBIT präsentiert und ausgezeichnet.